Montag, 21. September 2020

Fünf Jahre „Arbeitskreis Geflüchtete in Oggersheim“

Leitungsteam: M. Rugel, B. Werner und U. Schröder

Verabschiedung von Reinhild Burgdörfer und ihrem Mann Wolfgang Zimmermann durch Bernhard Werner

Einschränkungen durch Corona - neues Leitungsteam gewählt

Im Frühjahr vor fünf Jahren bildete sich auf Initiative von Pfarrerin Burgdörfer der Arbeitskreis „Geflüchtete in Oggersheim“. Dieses kleine Jubiläum ist geprägt durch den Weggang seiner Sprecherin Reinhild Burgdörfer zum 1. September an die Klinikseelsorge in Homburg. Auch war im letzten halben Jahr die praktische Arbeit durch Corona stark eingeschränkt. Vor kurzem traf sich das Plenum des Arbeitskreises, um die gegenwärtige Situation in den Blick zu nehmen und die Weichen für die nähere Zukunft zu stellen.

Beginn im Jahr 2015: Begrüßungsfest und Café Welcome

Die meisten der Engagierten im Arbeitskreis sind schon von Anfang an dabei. Im Frühjahr 2015 ging es darum die wachsende Zahl von neuen Geflüchteten in Oggersheim zu begrüßen, Kontakte zu den Bewohnern der mittlerweile geschlossenen Unterkunft „Alter Bahnhof“ herzustellen und praktische Hilfen anzubieten. Schon wenige Wochen später konnte im Mai das „Café Welcome“ im kleinen Saal des Comeniuszentrums eröffnet werden. Dank guten Wetters reichte der Platz durch die Benutzung des Außengeländes, denn rasch kristallisierte es sich als zentrale Begegnungsmöglichkeit für Geflüchtete, Einheimische und Hilfeanbietende heraus. Bereits Ende Juli des gleichen Jahres konnte das Café ins Pfarrzentrum Adolph Kolping umziehen und Woche für Woche seine Pforten öffnen.

Sprachlerngruppen und Sprachkurse der Diakonie und Caritas

Anfangs bestand die größte Herausforderung für die Geflüchteten darin, sich mit der einheimischen Bevölkerung in deren Muttersprache verständigen zu können. Daher gab es neben den im Unterrichten erfahrenen AK-Mitglieder angebotenen Sprachlerngruppen auch reguläre Sprachkurse der Diakonie und Caritas, die vor Ort in Oggersheim durchgeführt wurden.

Einzelhilfe und Fahrradwerkstatt

Bis heute sind Mitglieder des Arbeitskreises auch einzelnen Migranten bzw. Familien bei der Wohnungs- und Jobsuche, beim Ausfüllen von Formularen oder bei Behördengängen behilflich. Manche hatten auch unbegleitete Minderjährige oder Einzelpersonen für einige Zeit bei sich aufgenommen. Mehrere Jahre betrieb der Arbeitskreis im Rahmen des Projekts „Rad und Tat“ eine Fahrradwerkstatt, in der fast fünfhundert Fahrräder vermittelt, teilweise verkehrstauglich gemacht und unter fachkundiger Aufsicht von Geflüchteten repariert wurden. Ein Mitglied hat sich auf Auslandshilfe spezialisiert und im Rahmen einer eigenen Organisation gespendete Hilfsgüter in Flüchtlingscamps gebracht.

Unterkunft "Mannheimer Straße"

Seit dem Herbst 2015 fehlte auf keiner Plenums-Sitzung der Tagesordnungspunkt „Situation in der Unterkunft Mannheimer Straße“. Deren ersten Bewohner und Bewohnerinnen konnten schon bei Willkommensfest am Tag des Flüchtlings auf dem Hof der Schillerschule begrüßt werden. In diesem Frühjahr wurden diese schwer von der Corona-Situation getroffen. Aufgrund von über 50 Infizierten mussten die Geflüchteten mehrere Wochen in Quarantäne verbringen. Kontakt war nur mittels sozialer Kommunikationsmittel möglich. Auch in Zukunft wird seitens des Arbeitskreises der konstruktive Dialog mit den Verantwortlichen in Verwaltung und Politik bei unterschiedlichen Gelegenheiten gesucht werden.

Coronafolgen

Seit Mitte März ist das Café Welcome nun wegen Corona geschlossen. Nach reiflichen Überlegungen wird sich daran vorerst zum Schutz der Aktiven, die größtenteils der Risikogruppe angehören, nichts ändern. Aus gleichem Grund entfallen auch die Konversations-Trainings. Dafür werden die mittlerweile wieder angelaufenen Gruppen im Heinrich Pesch Haus personell unterstützt. Diese finden meist im Freien im weitläufigen Park des Bildungszentrums statt und werden dankbar von Geflüchteten und Migranten angenommen. Als kleines Trostpflaster fand im Juli unter Einhaltung der Hygieneregeln ein kleines Grillfest mit knapp 20 Geflüchteten statt.

Zahlreiche Gespräche

In den vergangenen fünf Jahren gab es immer wieder Gespräche des Arbeitskreises mit Vertretern der Politik und der Stadtverwaltung, dem Ortsvorsteher bzw. den Ortsvorsteherinnen, den Vereinen oder den örtlichen Wirtschaftsbetrieben und Gewerbetreibenden. Über den eigenen Stadtteil hinaus wurden auch gute Kontakte zu anderen Arbeitskreisen, zum zehnmal im Jahr im Rathaus tagenden „Runden Tisch Ehrenamt“ und dem Verein „Respekt: Menschen!“ geknüpft. Auch wenn vieles oftmals zäh und bürokratisch erscheint, lassen sich die engagierten Frauen und Männer nicht entmutigen und schauen stolz auf die vielen kleineren und größeren Erfolge in dieser Zeit zurück.

Neuer Sprecher und Ergänzung des Leitungsteams

Bereits Ende August konnten Mitglieder des Arbeitskreises Pfarrerin Reinhild Burgdörfer im Rahmen des Verabschiedungsgottesdienstes für ihr unermüdliches Engagement danken und ein Geschenk überreichen. Damit verbanden sie den Segenswunsch, gelegentlich auch die Leichtigkeit des Lebens zu genießen. Nachfolger als Sprecher ist Bernhard Werner, der als Gemeindereferent der Pfarrei Hl. Franz von Assisi schon von Anfang an, zusammen mit Dr. Matthias Rugel SJ, Bildungsreferent im Heinrich Pesch Haus, dem erweiterten Leitungsteam des Arbeitskreises angehörte. Dieses wurde nun mit Ulrike Schröder ergänzt, die als Ehrenamtliche in den vergangenen Jahren vielfältig in der Oggersheimer Flüchtlingsarbeit engagiert war. Um den Kontakt zum Verein „Respekt: Menschen!“ kümmert sich Walter Scülfort, die Vertretung beim pfälzischen Arbeitskreis Flucht übernimmt Angela Ernsting und Doris Joos. Beim "Runden Tisch Ehrenamt" auf Stadtebene sind die Vertreter weiterhin Matthias Rugel, Walter Scülfort und Bernhard Werner.

Fotos: D. Lessinger - Text: BOW