Auf dieser Seite finden Sie die neueren Impulse zu Sonn- und Feiertagen zum Nachlesen.

Hier gelangen Sie zu den Impulse für Kinder und Familien und hier finden Sie die ⇒ Hinweise zu unseren Gottesdiensten und zur Gestaltung von Hausgottesdiensten sowie zur Mitfeier von TV-, Radio- oder Streaming-Gottesdiensten.

Effata

05. September 2021

„Ich kann das nicht mehr hören!“
„Mir bleibt das Wort im Halse stecken!“

Etwas verengt,
etwas versperrt
den Weg zum Gegenüber –
nichts geht mehr!

Wie wieder herausfinden,
aus dieser bedrückenden Lage?

Es braucht Offenheit.
Offenheit für den anderen,
Offenheit für die Hilfe,
die mir angeboten wird,
Offenheit für das,
was ich selbst brauche,
letztlich Offenheit
für den Leben spendenden Gott.

Um diese Offenheit
geht es Jesus immer
im Evangelium:
Effata, öffne dich!

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Mk 7,31-37) aus: Magnificat. Das Stundenbuch 09/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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Ins Herz

29. August 2021

Wie wichtig ist es für Gott,
dass wir uns
an die Vorschriften halten,
die unsere Glaubensgemeinschaft
aufgestellt hat?

So oder so ähnlich
fragt das heutige Evangelium.
Eine Fragestellung, eine Diskussion,
seit es Kulte und Religionen gibt:
Braucht Gott meine Korrektheit?

Jesus antwortet eindeutig:
Gott schaut nicht,
wie ihr euch äußerlich verhaltet.
Auf eure innere Haltung kommt es an.
Wenn die stimmt, wird anderes unwichtig.

Diese Antwort Jesu fordert heraus.
Sie fordert den Menschen viel ab,
sie fordert auf zur Wachsamkeit:
sich selbst gegenüber,
den eigenen Haltungen und Handlungen.

Das betrifft auch mich.
Das trifft auch mich:
ins Herz!

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Mk 7,1-8.14-15.21-23) aus: Magnificat. Das Stundenbuch 08/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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Jesu Ruf

22. August 2021

Eine alte Erfahrung:
nicht alle bleiben dabei,
wenn der Überschwang
des Anfangs verfliegt.

Auch viele Jünger Jesu
ziehen sich zurück.
Doch Petrus bekräftigt
stellvertretend für viele:

Herr, zu wem
sollen wir gehen?
Du hast Worte
ewigen Lebens.

Doch auch er wird weichen,
sein Bekennermut wird verfliegen.
Schon die harmlose Frage
einer Pförtnerin bringt ihn auf Distanz.

Welche Distanz aber wäre so groß,
dass sie nicht durch Jesu Ruf
zu überbrücken wäre:
damals – und auch heute.

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Joh 6,60-69) aus: Magnificat. Das Stundenbuch 08/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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Seelsorge als Leibsorge

08. August 2021

Er könnte ihn auskosten,
seinen Triumph:
der Baalskult – blamiert, geschwächt!

Doch Elija fühlt sich nur noch schwach,
schal, elend, müde, ohne Trost.
Am liebsten jetzt sterben.
Unendliche Schwäche.
Ein Stoßgebet, fast nur ein Aufseufzen:
er schläft ein.

Die Seelsorge an Elija
beginnt mit der Leibsorge:
Essen und Trinken. Naheliegend.
Und wieder Schlaf.
Nicht mehr von Angst bestimmt,
nicht mehr todesnah.
Hunger und Durst gestillt.

Und dann noch einmal
der Bote Gottes:
Steh auf und iss.
Sonst ist der Weg zu weit für dich.

Himmlische Seelsorge –
als Leibsorge!

Dorothee Sandherr-Klemp (zu 1 Kön 19,4-8)aus: Magnificat. Das Stundenbuch 08/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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Leben geben

25. Juli 2021

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Die Speisung der Fünftausend:
als einziges Wunder Jesu
wird sie in allen Evangelien erzählt!

Schon dies verweist
auf die Bedeutung des Brotes,
der Eucharistie.

Niemand
wird hungern oder dürsten,
der von diesem Brot isst.

Das ist die Zusage Jesu.
Deshalb entzieht er sich
dem Zugriff der Begeisterten.

Er will kein Star sein.
Er will Menschen nähren,
ihren Geist stärken
und Leben geben.

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Joh 6,1-15) aus: Magnificat. Das Stundenbuch 07/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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Denn er ist unser Friede

18. Juli 2021

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Ablehnung, Abwertung,
abweichende Milieus,
Barrieren, deutliche Differenzen:
in der Antike standen sich
jüdische und hellenistische Welt
fremd gegenüber,
auch in den christlichen Gemeinden.

Der Autor des Epheserbriefs
weiß darum, hält aber nicht
an der Zertrennung fest,
sondern verweist auf Jesus,
der unser Friede ist.

Denn er ist unser Friede.
Er vereinigte die beiden Teile ...
und riss durch sein Sterben
die trennende Wand
der Feindschaft nieder.

Was hindert uns heute,
aus Blasen und Milieus
aufzubrechen
und vermeintliche Gegensätze
mutig zu überwinden?

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Eph 2,13-18) aus: Magnificat. Das Stundenbuch 07/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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„Ich bin ein Viehzüchter, und ich ziehe Maulbeerfeigen“

11. Juli 2021

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Ich bin nicht mutig.
Ich staune, wenn Menschen aufstehen,
wenn sie sich aufmachen
aus dem sicheren Gehäuse
ihres Seins.

Eine iranische Bloggerin,
eine Journalistin auf Malta,
die mutigen Frauen von Belarus,
die recherchieren, reden, schreiben,
sich einsetzen, sich aussetzen!
Ein chinesischer Menschenrechtler,
ein brasilianischer Umweltaktivist:
Menschen, die aufstehen, die anschreiben
gegen Willkür, Gewalt und Tod,
ihre Stimme erheben gegen die grenzenlose
Arroganz der Macht.
Menschen, die nicht zuallererst
ihre eigene Haut retten,
Menschen, die manchmal
mit dem Leben bezahlen.

Auch Amos wäre lieber
bei seiner Herde geblieben,
bei seinen Maulbeerfeigen ...

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Amos 7,12-15) aus: Magnificat. Das Stundenbuch 07/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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Glauben und Vertrauen

4. Juli 2021

Massives Misstrauen
erlebt er am eigenen Leib:
Jesus erfährt, was es heißt,
abgestempelt zu sein!

„Was kann aus Nazaret
schon Gutes kommen“,
murmeln an anderer Stelle
kopfschüttelnd die Leute.

„Ist das nicht der Zimmermann,
der Sohn der Maria und der Bruder
von Jakobus, Joses, Judas und Simon?
Leben nicht seine Schwestern hier ...?“

In Jesu Heimat erweist sich:
Wunder sind keine Magie!
Ihre Wirkung hängt von Glauben
und Vertrauen der Beteiligten ab.

Gott zwingt seine Segnungen nicht auf,
sondern reicht geduldig die Hand.
Auch dir und mir.
Hier.

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Mk 6,1b-6)aus: Magnificat. Das Stundenbuch 07/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de


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Die gleichen zwölf Jahre

27. Juni 2021

Während die Tochter des Jaïrus aufwuchs,
zehrten die Blutungen die kranke Frau auf.
Die eine entfaltete sich, blühte auf,
das Leben der anderen verflüchtigte sich.

Doch an der Schwelle des Erwachsenwerdens
scheint das aufblühende Leben am Ende.
Die Möglichkeiten der Frau sind es auch:
sie hat ihr Vermögen ausgegeben.

Die Frau und die Tochter, sie kennen sich nicht.
Sie treffen sich nicht.
Sie wissen nicht voneinander,
und sind doch miteinander verbunden
in der heilsamen Begegnung mit Jesus:
Das Leben der einen, das im Blut davonläuft,
das Leben der anderen, das diese aushaucht –
es kehrt durch Jesus an seinen Platz zurück.

Darauf zu vertrauen,
darauf zu setzen,
das macht den Glauben
in dieser Geschichte aus.

Dass durch Jesus das Leben kommt,
darauf bestand der Glaube der Frau,
der Glaube der Eltern.
Wohl denen, die solchen Glauben haben!

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Mk 5,21-43)
aus: Magnificat. Das Stundenbuch 06/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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Perspektivwechsel

20. Juni 2021

Das mächtige Meer:
bei Gott
wird es zum kleinen Kind.

Furchterregende Fluten –
Gott zeigt sich
als fürsorgliche Mutter,
als Amme, die liebevoll,
wie nach einer Geburt
das Meer wickelt und kleidet,
ihm pädagogisch Grenzen setzt:
bis hierher und nicht weiter.

Ijob, der sterben wollte,
zurück in einen Zustand
vor seiner Geburt,
erlebt jetzt Ähnliches
und doch Größeres.

Gott muss das Furchterregende nicht vernichten,
er nimmt es in seine Arme.
Nicht Gottes Macht und Übermacht
muss Ijob sich geschlagen geben.
Vielmehr wird er getröstet:
Die Gewalt, die ihn ängstigt
– bei Gott ist sie wie ein kleines Kind;
hilflos, bedürftig, schwach.

Befremdlich?
Welch andere Perspektive öffnet sich!
Auch für mich.

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Ijob 38,1.8-11) aus: Magnificat. Das Stundenbuch 06/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf

13. Juni 2021

Selbstoptimierung ist angesagt.
Deshalb wird dieses Bibelwort
nur noch ironisch zitiert:
Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.
Unser Mantra dagegen: Streng dich an!

Das heutige Evangelium
stellt sich den Antreibern entgegen,
die immerfort rufen:
Streng dich an, streng dich an,
in der Arbeit, in der Freizeit,
streng dich an!

So laufen wir Gefahr,
nicht nur das Ziel
aus den Augen zu verlieren,
sondern auch die Freude! –
Wie viel Erlaubnis und wie viel Versprechen
begegnen uns dagegen
im Evangelium!

Gottes Reich wächst,
gerade in Zeiten der Muße,
des Durchatmens.
Aus winzigem Samen
wächst Großes:
Du darfst es geschehen lassen.

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Mk 4,23-34) aus: Magnificat. Das Stundenbuch 06/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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Spitz auf Knopf

6. Juni 2021

Der ist doch nicht bei sich,
der ist nicht mehr er selbst!
– Hier wird der Auftrag Jesu
ganz grundsätzlich
infrage gestellt:
von der eigenen Familie.

Die Besessenen kann er nur heilen,
weil er selbst besessen ist.
Seine spektakulären Taten
verdankt er dem Bund mit Beelzebub,
so das Urteil auch der angesehenen,
extra aus Jerusalem angereisten Experten.

Und die Spitzen
der Schriftgelehrten sitzen!
Jesus sitzt in der Falle.
Wir können uns absetzen,
oder zu ihm gehen,
zu ihm stehen.
Das sitzt.

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Mk 3,20-35) aus: Magnificat. Das Stundenbuch 06/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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Alle Tage - nicht nur an Fronleichnam

3. Juni 2021

Ihn mitnehmen,
durch die Straßen tragen,
dorthin bringen,
wo er immer schon ist:
mitten unter den Menschen.

Ihn mitnehmen
in unsere Welt,
wo er immer schon ist.
Zeugnis geben:
Ihn in unserer Welt
sichtbar machen.

Ihn mitnehmen
in unser Leben,
wo er immer schon ist.
Ihn durch unser Leben
sichtbar machen.

Gisela Baltes, www.impulstexte.de. In: Pfarrbriefservice.de

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Geist der Freiheit

30. Mai 2021

Gottes Geist, den er ausgießt
über seine Töchter und Söhne,
erneuert und befreit,
schenkt eine andere Weisheit,
eine andere Weise zu sein!

Gewohntes und Gewöhnung,
zum Zwang gewordene Traditionen,
eröffnen keinen Frieden,
keine Freiheit,
keinen Sinn.

Angenommen zu Kindern Gottes,
zu seinen Söhnen und Töchtern,
stimmen wir ein
in den Ruf des Sohnes
zum Vater: „Abba“.
„Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen,
der euch zu Sklaven macht!“

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Röm 8,14-17) aus: Magnificat. Das Stundenbuch 05/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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Geistlicher Impuls zum Pfingstfest 2021

Video aus der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt Oggersheim

Mit einem Video und einem geistlichen Impuls aus der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt versendet die Pfarrei Heiliger Franz von Assisi ihre Pfingstgrüße.Im Mittelpunkt stehen Impulse und Musik zur Pfingstsequenz "Veni sancte spiritus" (Text: Stephen Langton um 1200, Musik nach Paris um 1200).

Texte: P. Wojciech Kordas, Pfarrer
Gesang: Mitglieder des Frauen-Vokal-Ensemble Cantabo
Orgel, musikalische Leitung und Videoaufnahme: Hans Jochen Kaube

Ströme lebendigen Wassers - Pfingsten

23. Mai 2021 - Pfingsten

Wasser des Lebens:
kühl, belebend, hell,
schimmernd, leuchtend blau,
dynamisch oder still,
sacht bewegt
von einem Windhauch.

Alle kennen den Wert
des Wassers in Israel.
Aber auch wir hier,
in Zeiten heißer Sommer,
verstehen, was Wasser ist:
Wasser ist Leben!

Wasser ist Inbegriff des Lebens.
Wasser ist die große Verheißung.
Wasser stillt quälenden Durst.
Jesus vergleicht menschliche Sehnsucht
mit starkem Durst.
Jesus bietet an, diesen Durst zu stillen.

Das heilsame Strömen des Wassers
ist Heiliger Geist.
Er belebt nicht nur
Verstand und Bewusstsein,
sondern macht Menschen
lebendig und lebensfroh.
„Wer Durst hat, komme zu mir ...“

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Joh 7,37-39) aus: Magnificat. Das Stundenbuch 05/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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Gottes Bild

16. Mai 2021

Jesus ist gekommen,

damit die Menschen
den Vater erkennen,
ihn in den Blick bekommen,
ihren Blick öffnen,
grundlegend weiten – für ihn.

Gott in den Blick bekommen:
Johannes nennt es
„ewiges Leben“.
Erblicken können wir
den Vater im Sohn,
in der Beziehung beider.

Dem Sohn ist Macht gegeben,
doch was für eine Macht!
Eine Macht, die freiwillig,
aus freier Liebe
in die Ohnmacht geht,
ins Dunkel der Demütigung.

Darin können wir Menschen
den Vater erkennen,
die Tiefe seiner treuen,
unauslotbaren Liebe zu uns:
Passt dieser Gott in ein Gottesbild?

Dorothee Sandherr-Klemp (zu Joh 17,6a.11b-19) aus: Magnificat. Das Stundenbuch 05/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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Damit Himmel und Erde sich berühren - Gedanken zum Fest Christi Himmelfahrt

13. Mai 2021

In einer alten Geschichte wird erzählt, dass ein Priester regelmäßig zu seinem Gottesdienst eine halbe Stunde zu spät kam. Ein junger Mann, der diese Verspätung nicht hinnehmen wollte, stellte den Priester zur Rede. Dieser sagte ihm, dass er immer eine Stunde vor dem Gottesdienst im Himmel sei und dass er sich dann immer so schwer trennen könne und deshalb immer eine halbe Stunde zu spät komme. Der Mann glaubte ihm nicht und beobachtete den Priester fortan heimlich. Er sah, wie er immer eine Stunde vor dem Gottesdienst auf seinem Weg zur Kirche eine alte kranke Frau besuchte. Durch die Fensterscheibe konnte er beobachten, wie der Priester in einem Ofen Feuer anzündete und etwas zum Essen kochte. Dann gab er der Frau zu essen, schüttelte ihr Kopfkissen auf, setzte sich zu ihr, redete und scherzte mit ihr. Dann verließ er schweren Herzens das Haus und eilte zum Gottesdienst, zu dem er natürlich wieder eine halbe Stunde zu spät kam. Die anderen Gemeindemitglieder befragten den jungen Mann, ob er tatsächlich  gesehen hätte, dass der Priester vorher „im Himmel“ gewesen sei. „Ja, das stimmt, räumte dieser ein und fügte noch hinzu: „Aber ich hätte niemals gedacht, dass der Himmel so schön sein könnte!“

„Die Liebe Gottes manifestiert sich vor allem in der Liebe zu uns selbst! In der Fähigkeit, sich selbst in seiner Eigenart lieben zu dürfen, und nicht nur in dem, was wir uns ständig an- und umhängen, um zu beweisen, dass wir wertvoll, klug, hübsch, erfolgreich sind. Nein! Wir sind ganz einfach wunderbar. Also lieben wir uns auch mal selbst. Gott kann nichts Besseres passieren“, so schrieb der Filmregisseur Christoph Schlingensief 2009 kurz vor seinem Tod in seinem Buch „So schön wie hier kann’s im Himmel gar nicht sein“. Es ist ein zutiefst erschütterndes, weil ehrliches Buch, das bewegende Protokoll einer Selbstbefragung im Angesicht des Todes. Es ist ein Buch gegen das Verstummen und nicht zuletzt eine Liebeserklärung an diese Welt.

Text: Stanislaus Klemm, In: Pfarrbriefservice.de

Der Himmel ist dort

wo Menschen einander gut sind,
wo Menschen miteinander reden,
wo Menschen füreinander sorgen,

wo Hungernde Nahrung erhalten,
wo Kranke besucht werden,
wo Traurige getröstet werden,

wo Versöhnung den Streit beendet,
wo Gemeinsinn den Eigensinn ablöst,
wo Menschen miteinander teilen,

wo Gerechtigkeit regiert,
wo jeder Mensch gleich viel gilt,
wo ein Leben in Würde möglich ist.

Gisela Baltes, www.impulstexte.de, In: Pfarrbriefservice.de

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